Kurz gesagt
- Die Essener Zentralbibliothek erstreckt sich über sechs Etagen des ehemaligen Kaufhauses Boeckerhaus am Kennedyplatz.
- Das von MVRDV und Meyer Architekten entworfene Gebäude hat eine Fläche von 11.000 Quadratmetern.
- Bücherregal-Cluster gliedern Spiel-, Hobby- und kindgerechte Softplay-Bereiche.
- Zum Gebäude gehören ein Café, eine Veranstaltungsfläche auf dem Dach, Makerspaces, Musikräume und Bereiche für die Nutzung von Technologien.
MVRDV und Meyer Architekten haben das ehemalige Kaufhaus Boeckerhaus in Essen, Deutschland, in die Essener Zentralbibliothek umgewandelt. Das Gebäude am Kennedyplatz umfasst 11.000 Quadratmeter und nutzt sechs Etagen. Die Bibliothek wurde am Samstag für die Öffentlichkeit eröffnet; die Nachricht über die Eröffnung wurde am 27. Oktober 2026 veröffentlicht. Der Entwurf soll nicht nur die Buchbestände präsentieren, sondern auch Räume schaffen, die Menschen unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Interessen zusammenbringen.
Vom ehemaligen Kaufhaus zu einem neuen öffentlichen Gebäude
Das Projekt entstand im Zuge des Umzugs der alten Bibliothek an einen zentraleren Standort. Die Planer griffen auf das Konzept des „dritten Ortes“ des Soziologen Ray Oldenburg zurück, das alltägliche Treffpunkte außerhalb von Zuhause, Schule und Arbeitsplatz beschreibt. Die Bibliothek ist entsprechend als öffentlich zugänglicher Innenraum konzipiert, der nicht nur Menschen offensteht, die nach einem bestimmten Buch suchen, sondern auch all jenen, die Zeit in der Stadt verbringen möchten.
Große Glasflächen an der Außenfassade machen die Nutzung im Inneren von der Stadt aus sichtbar. Die Arbeitsbereiche auf jeder Etage befinden sich entlang der Fassade. So lassen sich Lese- und Arbeitsaktivitäten auch von außen wahrnehmen. Die Fassade ist als Gestaltungselement gedacht, das eine visuelle Verbindung zwischen Bibliothek und Stadtleben herstellt.
Wie strukturieren die Bücherregale den Raum?
Im Inneren dienen die Bücherregale nicht allein der Aufbewahrung der Bestände, sondern sind in Clustern angeordnet, die unterschiedliche Funktionen voneinander abgrenzen. Diese als „Medien-Dörfer“ bezeichneten Cluster machen die Bestände leichter erkennbar und strukturieren zugleich die Aktivitätsbereiche auf den Etagen. Die roten Farbtöne der Bücherregale ziehen sich durch die Etagen; Holzoberflächen, Pflanzen und Sitzbereiche ergänzen die Innenraumgestaltung. Blaue Markierungen helfen außerdem bei der Orientierung.
Die Funktionen sind auf unterschiedliche Nutzergruppen zugeschnitten: Im ersten Stock gibt es kindgerechte Softplay-Bereiche, im zweiten Spiel-Pods und im dritten Hobbybereiche. Das Café im Erdgeschoss soll Passanten ins Gebäude ziehen. Im Dachgeschoss befindet sich ein Veranstaltungsbereich mit Blick auf die Stadt. Außerdem gibt es im Gebäude Makerspaces, Musikräume und Bereiche, in denen Technologien wie 3D-Druck, Virtual Reality und Robotik genutzt werden können.
Was bedeutet das für Architektur- und Visualisierungsteams?
Das Projekt in Essen zeigt, wie sich bei der Umnutzung eines bestehenden Gewerbegebäudes zu einem öffentlichen Ort die Innenraumorganisation und die Sichtbarkeit gemeinsam berücksichtigen lassen. Architektur- und Innenarchitekturbüros können untersuchen, wie Bücherregal-Cluster mit Zonierung, der Verteilung der Funktionen über die Etagen und der Orientierung zusammenwirken. Für Visualisierungen ist es besonders wichtig, die alltägliche Nutzung hinter der Glasfassade von außen sichtbar zu machen und so die Beziehung des Entwurfs zur Stadt zu vermitteln.
Im Projektbericht werden weder Bau- noch Betriebskosten genannt. Auch zu den technischen Eigenschaften der Ausstattung in den Technologiebereichen und den entsprechenden Lizenzbedingungen gibt es keine Angaben. Teams, die ein ähnliches Raumprogramm prüfen, sollten deshalb die technischen Voraussetzungen und betrieblichen Anforderungen nicht losgelöst von den räumlichen Entwurfsentscheidungen betrachten. Die im Bericht genannten Funktionen zeigen, wie die Bereiche organisiert sind, enthalten jedoch keine genaueren Angaben zum Umfang der Technologienutzung.
Quellen
2 QuellenQuelltexte werden nicht neu veröffentlicht; kurze Zitate sind gekennzeichnet, der Rest ist eigene Zusammenfassung und Einordnung.
Das Bemerkenswerte an der Essener Zentralbibliothek ist, dass das ehemalige Kaufhaus nicht einfach mit Bücherregalen gefüllt wurde: Stattdessen sind unterschiedliche Aktivitäten auf die Etagen verteilt. Zusammengenommen bieten die Bücherregal-Cluster, der Einsatz von Farbe und die Glasfassade ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Innenraumorganisation eines öffentlichen Gebäudes mit seiner Beziehung zur Stadt verknüpft werden kann.
Für Büros in der Türkei, die ähnliche Umnutzungen planen, sind neben der Vielfalt des Raumprogramms auch die Betriebsbedingungen entscheidend. Im Bericht fehlen Angaben zu Kosten, technischen Eigenschaften der Technologieausstattung und Lizenzbedingungen. Diese Punkte sollten daher vor der Umsetzung gesondert geklärt werden. Visualisierungsteams können sich an einem Präsentationsansatz orientieren, der die alltägliche Nutzung des Innenraums und die Aktivitäten hinter der Fassade gemeinsam vermittelt.
Häufige Fragen
Wo befindet sich die Essener Zentralbibliothek?
Die Bibliothek befindet sich im ehemaligen Kaufhaus Boeckerhaus am Kennedyplatz in Essen, Deutschland.
Welche Architekturbüros haben die Essener Zentralbibliothek entworfen?
Das Projekt wurde vom niederländischen Büro MVRDV und dem deutschen Büro Meyer Architekten entworfen.
Welche Funktionen bietet die Bibliothek?
Neben den Bücherregalen gibt es ein Café, einen Veranstaltungsbereich auf dem Dach, Makerspaces, Musikräume und Bereiche zur Nutzung von Technologien.



