Kurz gesagt
- Mit dem Befehl Mesh lassen sich bearbeitbare Meshes aus NURBS-Flächen, Polysurfaces und SubD-Objekten erzeugen.
- ShrinkWrap kann ein Mesh um Flächen, SubD- und Mesh-Objekte sowie Punktwolken und Punktobjekte erzeugen.
- Mit steigender Mesh-Dichte nimmt die Polygonzahl zu; eine geringere Dichte ergibt leichtere, weniger detaillierte Ergebnisse.
- Bei ShrinkWrap verkleinert ein negativer Offset das Mesh, ein positiver Offset vergrößert es.
Die in der offiziellen Dokumentation zu Rhino 8 beschriebenen Befehle Mesh und ShrinkWrap bieten verschiedene Optionen, um Modellgeometrie in Polygon-Meshes für unterschiedliche Einsatzzwecke umzuwandeln. Der Befehl Mesh funktioniert mit NURBS-Flächen, Polysurfaces und SubD-Objekten. ShrinkWrap kann außerdem Meshes, Punktwolken und Punktobjekte umschließen und daraus ein neues Mesh erzeugen. Welche Einstellungen sinnvoll sind, hängt davon ab, ob das Modell etwa in einem Viewport dargestellt, exportiert oder aus Scandaten eine geschlossene Geometrie erzeugt werden soll.
1. Grundeinstellungen für den Befehl Mesh wählen
Der Rhino-Befehl Mesh erzeugt aus dem Quellobjekt ein separates, bearbeitbares Polygon-Mesh. Ein aus einem Volumenkörper erzeugtes Mesh wird in der Dokumentation als durchgehend und geschlossen beschrieben. Das kann für den Export in Dateien für das Rapid Prototyping, etwa STL, nützlich sein. Render-Meshes, die im Viewport für die Schattierung verwendet werden, lassen sich dagegen nicht auf dieselbe Weise bearbeiten. Laut Dokumentation können sie mit dem Befehl ExtractRenderMesh extrahiert werden.
Der Regler für die Dichte in den einfachen Mesh-Einstellungen beeinflusst, wie eng Mesh-Kanten an der Oberfläche liegen. Der Standardwert ist 0,5; zulässig sind Werte zwischen 0 und 1. Je höher der Wert, desto mehr Polygone entstehen. Eine hohe Dichte kann daher sinnvoll sein, wenn eine möglichst genaue Darstellung der Oberfläche erforderlich ist. Den höchsten Wert für jedes Modell zu wählen, ist jedoch nicht immer nötig.
Aktivieren Sie beim ersten Versuch die Vorschau und prüfen Sie die Mesh-Kanten. Beurteilen Sie gemeinsam, ob die Details ausreichen, die Form der Oberfläche erhalten bleibt und das Mesh für die weitere Verwendung geeignet ist. Die Rhino-Dokumentation beschreibt auch die Vorschau der Mesh-Einstellungen und die Möglichkeit, die Standardwerte wiederherzustellen.
2. Details und Performance ausbalancieren
In den detaillierten Mesh-Einstellungen wirkt sich jeder Parameter anders aus. Die folgenden Werte entsprechen den in der Rhino-8-Dokumentation genannten Standardwerten und empfohlenen Bereichen. Statt alle Werte auf einmal zu ändern, lässt sich das Ergebnis kontrollierter optimieren, wenn Sie sich auf den jeweils relevanten Parameter konzentrieren.
| Einstellung | Empfohlener Wert | Wirkung |
|---|---|---|
| Density | Standardwert 0,5; Bereich 0–1 | Mit steigendem Wert nimmt die Polygonzahl zu. |
| Maximum angle | Standardwert 0°; empfohlener Bereich 5°–90° | Unterstützt eine dichtere Mesh-Aufteilung in stark gekrümmten Bereichen; bei 0° ist dieses Kriterium deaktiviert. |
| Maximum distance, edge to surface | Standardwert 0; nutzbarer Bereich abhängig von der Modellgröße | Ein niedrigerer Wert erhöht die Genauigkeit und Polygonzahl; bei 0 ist dieses Kriterium deaktiviert. |
| Maximum edge length | Standardwert 0; nutzbarer Bereich abhängig von der Modellgröße | Ein niedrigerer Wert führt zu längerer Berechnungszeit und mehr Polygonen. |
| Minimum edge length | Standardwert 0,0001 Systemeinheiten | Ein höherer Wert kann ein schneller erzeugtes Mesh mit weniger Polygonen, aber geringerer Genauigkeit ergeben. |
Ist Refine mesh aktiviert, unterteilt Rhino bestimmte Quads weiter, bis die festgelegten Kriterien erfüllt sind. Wenn Sie die Funktion deaktivieren, kann die Mesh-Erzeugung schneller werden; dafür können Genauigkeit und Polygonzahl sinken. Kriterien wie Maximum angle, Kantenlänge und Abstand zur Oberfläche helfen dabei, die Bereiche zu steuern, in denen mehr Details erforderlich sind. Mit Maximum edge length lassen sich annähernd gleich große Polygone anstreben.
Wenn zwischen den Teilen einer Polysurface keine Lücken entstehen sollen, beachten Sie die Option Jagged seams. Ist sie aktiviert, werden die Flächen einzeln gemesht und ihre Kanten nicht miteinander verbunden. Das kann die Verarbeitung beschleunigen und die Polygonzahl senken, aber an den Übergängen können Risse entstehen. Ist die Option deaktiviert, wird laut Dokumentation ein geschlossenes Mesh erzeugt.
3. Komplexe Eingaben mit ShrinkWrap umhüllen
ShrinkWrap erzeugt ein Mesh, das die ausgewählte Geometrie umschließt. Die offizielle Dokumentation nennt als Anwendungsbeispiele Meshes für den 3D-Druck, geschlossene Meshes aus mehreren Objekten, das Zusammenfügen von 3D-Scanteilen, Meshes aus Punktwolken sowie das Umwandeln schwer zu reparierender Geometrie in geschlossene Meshes.
Eingaben auswählen und Vorschau prüfen. ShrinkWrap unterstützt NURBS-Flächen, SubD-Objekte, Meshes, Punktwolken und Punktobjekte. Die Vorschau zeigt das Ausgabemesh während der Befehlssitzung. Bei Bedarf können Sie Mesh-Kanten anzeigen und die Eingabeobjekte während der Vorschau ausblenden.
Target Edge Length passend zum Einsatzzweck festlegen. Diese Einstellung bestimmt ungefähr die Länge der Kanten im Ausgabemesh. Der Standardwert wird automatisch berechnet. Da die Quelldokumentation keinen konkreten Zielwert angibt, sollten Sie abhängig von der Modellgröße mit der Vorschau experimentieren.
Richtung des Offsets prüfen. Ein positiver Wert vergrößert das Mesh nach außen und erhöht die Anzahl der Flächen. Ein negativer Wert verkleinert das Mesh und reduziert die Flächenzahl. Der Offset wirkt sich weniger stark auf die Zielkantenlänge aus.
Smoothing iterations und Polygon Optimization maßvoll einsetzen. Bei einem Smoothing-Wert von 0 ist die Glättung deaktiviert. Je höher der Wert, desto stärker sinkt die Flächenzahl und desto weiter wird das Mesh nach innen gezogen. Polygon Optimization liegt zwischen 0 und 100 Prozent. Ein höherer Wert reduziert mehr Flächen, während Flächen an scharfen Kanten erhalten bleiben.
Punktdaten und Löcher gesondert prüfen. Inflate Vertices and Points erzeugt das Ausgabemesh um jeden Scheitelpunkt beziehungsweise Punkt in einem Mesh oder einer Punktwolke. Für Punktwolken und Punkte ist die Option standardmäßig aktiviert, für andere Objekttypen deaktiviert. Fill holes in input objects kann in vielen Fällen hilfreich sein. Prüfen Sie jedoch das Ergebnis, da die Option auch kleine, absichtlich vorhandene Öffnungen schließen kann.
4. Worauf Sie in Architektur- und Visualisierungs-Workflows achten sollten
Architektinnen und Innenarchitekten können den Befehl Mesh nutzen, um Oberflächenmodelle für den Export oder andere polygonbasierte Anwendungen vorzubereiten. Für Archviz-Teams ist die Mesh-Dichte die zentrale Stellschraube für das Verhältnis zwischen Detailgrad und Polygonzahl. Eine höhere Dichte erzeugt mehr Flächen. Die Qualitätsvoreinstellung „Jagged and faster“ wird in der Dokumentation als Möglichkeit beschrieben, NURBS-Objekte mit geringerer Dichte und gewissen Qualitätseinbußen schneller zu schattieren.
Wer mit Scandaten oder schwer zu reparierender Geometrie arbeitet, kann ShrinkWrap nutzen, um geschlossene Meshes zu erzeugen und Punktwolken zu verarbeiten. Das Ergebnis hängt jedoch von den Einstellungen für Offset, Glättung, das Füllen von Löchern und das Aufblähen von Punkten und Scheitelpunkten ab. Prüfen Sie deshalb das fertige Mesh anhand der Projektanforderungen. Die Dokumentation enthält keine Angaben zu Lizenz, Hardwareanforderungen oder konkreter Exportkompatibilität; entsprechende Annahmen sollten daher vermieden werden.
Häufige Fehler
Eine höhere Dichte als grundsätzlich bessere Lösung betrachten: Auch die Polygonzahl steigt.
Jagged seams aktiviert lassen und erwarten, dass die Mesh-Kanten verbundener Flächen miteinander vernäht werden: Dadurch können Risse entstehen.
Die Wirkung positiver und negativer Offsets bei ShrinkWrap verwechseln: Der eine vergrößert das Mesh, der andere verkleinert es.
Fill holes in input objects verwenden, ohne kleine Lücken im Entwurf zu prüfen.
Sich auf die Option zum Löschen der Quellobjekte verlassen, ohne zuvor die ShrinkWrap-Vorschau zu prüfen.
Quellen
2 QuellenQuelltexte werden nicht neu veröffentlicht; kurze Zitate sind gekennzeichnet, der Rest ist eigene Zusammenfassung und Einordnung.
Für Architektur- und Visualisierungsbüros in der Türkei liegt der Vorteil dieser Befehle darin, dass sie beim Umwandeln unterschiedlicher Ausgangsgeometrien in Meshes die Kontrolle bei den Anwenderinnen und Anwendern lassen. Besonders bei Scandaten oder Arbeiten, für die ein geschlossenes Mesh benötigt wird, kann ShrinkWrap hilfreich sein. Das Ergebnis erfordert jedoch eine sorgfältige Kontrolle der Einstellungen und der Vorschau.
Zu beachten ist, dass eine höhere Dichte auch die Polygonzahl erhöht. Kleine Tests mit eigenen Modellen können Büros helfen, unnötig schwere Meshes zu vermeiden. Da die Dokumentation keine Angaben zu Lizenz, Hardware oder konkreter Dateikompatibilität enthält, sollten die tatsächlichen Exportschritte im Projekt vor Entscheidungen zu diesen Punkten gesondert geprüft werden.
Häufige Fragen
Mit welchen Objekten funktioniert ShrinkWrap in Rhino 8?
Als Eingaben unterstützt der Befehl NURBS-Flächen, SubD-Objekte, Meshes, Punktwolken und Punktobjekte.
Was bewirkt die Dichte im Rhino-Befehl Mesh?
Die Dichte beeinflusst, wie eng die Mesh-Kanten an der ursprünglichen Oberfläche liegen. Mit steigendem Wert nimmt die Polygonzahl zu.
Worin unterscheiden sich positive und negative Offsets bei ShrinkWrap?
Ein positiver Offset vergrößert das Ergebnis und erhöht die Flächenzahl. Ein negativer Offset verkleinert das Mesh und reduziert die Flächenzahl.



