Kurz gesagt
- UnrollSrf ist dafür vorgesehen, abwickelbare Flächen und Polysurfaces mit Krümmung in nur einer Richtung in eine Ebene zu überführen.
- UnrollSrfUV erhält beim Abwickeln die UV-Informationen der Ausgangsflächen; der Befehl bietet die Option LinearDirection.
- Squish erstellt für doppelt gekrümmte Mesh- oder NURBS-Flächen ein 2D-Muster und schätzt dabei Dehnung und Stauchung.
- Der Verformungsbericht von Squish bestätigt für sich genommen weder das tatsächliche Materialverhalten noch das Fertigungsergebnis.
Die offizielle Rhino-8-Dokumentation beschreibt die Befehle UnrollSrf, UnrollSrfUV und Squish, um unterschiedliche Flächen in eine Ebene zu überführen. Entscheidend für die Wahl ist, ob eine Fläche in einer oder in zwei Richtungen gekrümmt ist: Für abwickelbare Flächen lässt sich UnrollSrf verwenden, für doppelt gekrümmte Flächen Squish, das eine angenäherte Abwicklung erstellt. UnrollSrfUV erhält beim Abwickeln außerdem die UV-Informationen der Ausgangsflächen. Bei der Vorbereitung von Architekturverkleidungen oder Fertigungsmustern ist es wichtig, diese Unterschiede zu beachten und die Verformungen im Ergebnis zu prüfen.
1. Geometrie bestimmen
Eine Fläche ist abwickelbar, wenn sie sich aus einer ebenen Platte durch Biegen formen lässt, ohne dass diese gedehnt, zerrissen oder geknickt werden muss. Zylinder und Kegel sind Beispiele für solche Flächen. Sie sind nur in einer Richtung gekrümmt und weisen entlang der Fläche Geraden auf. Rhino empfiehlt UnrollSrf, um solche Flächen in eine Ebene zu überführen.
Kugeln, Torusflächen und andere in zwei Richtungen gekrümmte Flächen lassen sich nicht auf dieselbe Weise abwickeln. Für die Überführung in eine Ebene muss das Material möglicherweise gestaucht oder gedehnt werden. Prüfen Sie vor der Wahl eines Befehls mithilfe einer Gaussian-Curvature-Analyse, welche Bereiche der Fläche doppelt gekrümmt sind. Auch der in der Dokumentation beschriebene Befehl Curvature hilft dabei, die Krümmung beim Bewegen des Cursors über eine Fläche sichtbar zu machen: Doppelte Krümmung wird mit zwei Bögen dargestellt, eine abwickelbare Fläche mit einem Bogen und einer Linie.
2. Abwickelbare Flächen mit UnrollSrf abwickeln
Wählen Sie die Fläche oder Polysurface aus. In der Rhino-8-Hilfe ist UnrollSrf unter
Surface Tools › Surface › Surface Flattening › Unroll Developable Surfaceaufgeführt.Wählen Sie während des Abwickelns Kurven, Punkte oder Textpunkte auf der Fläche aus. Lässt sich eine getrimmte Polysurface nicht abwickeln, entfernen Sie die Trim-Kurven und wickeln Sie die Fläche und Kurven ab. Anschließend können Sie die abgewickelte Fläche erneut trimmen.
Legen Sie mit
Explodefest, wie die Teile ausgegeben werden.Yeslässt die Flächen getrennt;Nofügt Teile an den Kanten wieder zusammen, die in der ursprünglichen Polysurface gemeinsame Kanten waren.Ziehen Sie
Labelsin Betracht, um entsprechende Kanten zuzuordnen. Die Option versieht die Kanten des Ausgangsobjekts und der abgewickelten Teile mit übereinstimmenden nummerierten Markierungen.Gibt der Befehl eine Warnung zu einer Flächendifferenz aus, vergleichen Sie die Fläche der abgewickelten Fläche mit der ursprünglichen. Für die Warnung lässt sich ein prozentualer Flächenunterschied festlegen. Laut Dokumentation können beim Abwickeln Abweichungen bei Fläche oder Länge der Abwickellinien auftreten.
Bei UnrollSrf legt RelativeTolerance fest, bis zu welcher Grenze eine Richtung als linear gilt, wenn LinearDirection=Natural verwendet wird. Kleinere Werte sind strenger; laut Dokumentation kann der Wert 1,0 bei den meisten Freiformflächen eine Abwicklung ermöglichen. Dieser Wert allein belegt nicht, dass die Abwicklung für die Fertigung geeignet ist.
3. UnrollSrfUV verwenden, wenn die UV-Informationen erhalten bleiben sollen
UnrollSrfUV ist dafür vorgesehen, beim Abwickeln einer Fläche oder Polysurface die UV-Informationen der Ausgangsflächen zu erhalten. Als Menüpfad ist Surface › Surface Flattening › Unroll Surface UV angegeben. Auch die Schritte zum Auswählen von Kurven, Punkten oder Textpunkten sind in der Hilfe beschrieben.
Bei diesem Befehl kann LinearDirection auf Natural, U oder V gesetzt werden. Natural bestimmt automatisch, welche Isoparameterlinien als gerade gelten; mit U und V wird die Richtung manuell festgelegt. Wenn beide Richtungen geeignet erscheinen, wird die geradere verwendet. Kann keine davon als linear eingestuft werden, lässt sich die Fläche nicht abwickeln. Die Dokumentation warnt ausdrücklich, dass bei einer abwickelbaren Fläche wie einem Zylinder eine falsche Richtung zu einem verzerrten Ergebnis und einer Meldung über Flächenverlust führen kann.
| Einstellung | Werte/Optionen | Wirkung |
|---|---|---|
UnrollSrf Explode | Yes oder No | Legt fest, ob die abgewickelten Flächen getrennt bleiben oder an gemeinsamen Kanten wieder zusammengefügt werden. |
UnrollSrf RelativeTolerance | In der Dokumentation ist für Natural der Wert 1,0 angegeben | Beeinflusst die Toleranz, ab der eine Richtung als linear gilt; ein kleinerer Wert ist strenger. |
UnrollSrfUV LinearDirection | Natural, U oder V | Bestimmt die Isoparameterrichtung, die als gerade gelten soll. |
Squish Deformation | Free, StretchMostly, StretchOnly, CompressMostly oder CompressOnly | Legt fest, ob beim Abwickeln Dehnung oder Stauchung bevorzugt wird. |
4. Doppelt gekrümmte Flächen mit Squish abwickeln
Wählen Sie eine Mesh- oder NURBS-Fläche mit Krümmung in zwei Richtungen aus. Der Menüpfad lautet
Surface Tools › Surface › Surface Flattening › Squish Double-Curved Surface.Legen Sie mit
Deformationfest, ob Stauchung oder Dehnung bevorzugt wird.Freegibt keiner der beiden Richtungen den Vorrang;StretchMostlybevorzugt Dehnung,CompressMostlyStauchung.StretchOnlyverhindert Stauchung,CompressOnlyverhindert Dehnung.Prüfen Sie die Markierungen und den Bericht im Ergebnis. Eine rote Punktwolke kennzeichnet Bereiche mit Stauchung, eine grüne Punktwolke Bereiche mit Dehnung. Die Stellen mit den stärksten Veränderungen können mit bis zu zehn Textpunkten markiert werden; an diesen Markierungen wird die Längenänderung in Prozent angegeben.
Prüfen Sie neben der Flächenänderung auch die geschätzten Werte für Stauchung und Dehnung. Soll ein geschlossenes Mesh an einer Naht aufgetrennt werden, gibt es die Option
SplitSeams; um Verformungen der Randlängen zu vermeiden, stehtPreserveBoundaryzur Verfügung.Verwenden Sie
SquishBack, um Kurven oder Punkte aus dem 2D-Muster auf die ursprüngliche 3D-Form zurückzuführen.
Bei den Optionen CustomA, CustomB und CustomC lassen sich die Parameter für Dehnung und Stauchung in Rand- und Innenbereichen einstellen. Laut Dokumentation beträgt der Wert der vier Parameter 1; es können positive Werte eingegeben werden. Wird ein Parameter erhöht, verringert sich die von ihm beschriebene Verformung, wenn die übrigen Parameter gleich bleiben. Um beispielsweise die Stauchung in Innenbereichen zu begrenzen, wird InteriorCompress=100 als Beispiel genannt. In einem anderen Beispiel zur Erhaltung der Randlängen werden BndStretch und BndCompress auf 10 sowie InteriorStretch und InteriorCompress auf 1 gesetzt.
Was bedeutet das für Architektur- und Visualisierungs-Workflows?
Für Teams, die Fassadenverkleidungen, Sonderformteile oder Schnittmuster vorbereiten, hilft die richtige Befehlswahl, frühzeitig zu beurteilen, ob eine Fläche als ebenes Muster betrachtet werden kann. Für abwickelbare Flächen mit Krümmung in nur einer Richtung lässt sich UnrollSrf verwenden. Wenn die UV-Informationen erhalten bleiben sollen, können die Optionen von UnrollSrfUV geprüft werden. Bei doppelt gekrümmten Formen bietet Squish eine erste Einschätzung der Verformung.
Squish bildet die physikalischen Eigenschaften des tatsächlichen Materials und insbesondere den Einfluss der Materialstärke jedoch nicht ausreichend ab. Die angezeigten Werte ersetzen daher keine Fertigungsprüfung. Bei Projekten, bei denen Material-, Schneid- oder Biegekosten entscheidend sind, sollte das Ergebnis mit Fertigungsfachleuten geprüft werden. Beachten Sie auch, dass Squish bei abwickelbaren Flächen möglicherweise nicht gut funktioniert; in diesem Fall sollte UnrollSrf verwendet werden.
Häufige Fehler
Zu erwarten, dass sich eine Kugel oder eine andere doppelt gekrümmte Fläche mit UnrollSrf korrekt abwickeln lässt.
Das Ergebnis zu verwenden, ohne bei UnrollSrfUV die Auswahl von
LinearDirectionzu prüfen.Eine Warnung zu Flächenabweichungen zu übersehen oder den Toleranzwert als Nachweis für Fertigungsgenauigkeit zu betrachten.
Die Verformungsmarkierungen von Squish als echten Materialtest oder endgültige Schnittvorlage zu interpretieren.
Quellen
2 QuellenQuelltexte werden nicht neu veröffentlicht; kurze Zitate sind gekennzeichnet, der Rest ist eigene Zusammenfassung und Einordnung.
Für Architektur- und Visualisierungsbüros in der Türkei liegt der praktische Nutzen dieser Befehle darin, frühzeitig zu beurteilen, ob eine Fläche als ebenes Muster betrachtet werden kann. Bei abwickelbaren Geometrien kommt UnrollSrf infrage, wenn UV-Informationen erhalten bleiben sollen UnrollSrfUV und bei doppelt gekrümmten Formen Squish für eine erste Prüfung.
Der Squish-Bericht sollte nicht als Materialtest oder Fertigungsfreigabe betrachtet werden. Bei Projekten, bei denen Schneid- und Biegekosten eine wichtige Rolle spielen, ist es sicherer, das Ergebnis mit Fertigungsfachleuten zu prüfen. Die Dokumentation macht keine Angaben zu Hardware- und Lizenzbedingungen; entscheidend sind hier die Geometrieart und die Fertigungsprüfung.
Häufige Fragen
Welche Flächen lassen sich in Rhino mit UnrollSrf abwickeln?
UnrollSrf dient zum Abwickeln abwickelbarer Flächen und Polysurfaces mit Krümmung in nur einer Richtung. Doppelt gekrümmte Flächen wie Kugeln und Torusflächen lassen sich nicht korrekt abwickeln.
Was ist der Unterschied zwischen UnrollSrfUV und UnrollSrf?
UnrollSrfUV erhält beim Abwickeln der Fläche in eine Ebene die UV-Informationen der Ausgangsflächen. Die Dokumentation dieses Befehls beschreibt auch die Optionen für LinearDirection und warnt vor möglichen Verzerrungen bei einer falschen Richtungswahl.
Wofür dient der Rhino-Befehl Squish?
Squish überführt eine Mesh- oder NURBS-Fläche mit Krümmung in zwei Richtungen in ein flaches 2D-Muster und zeigt Schätzwerte für Stauchung und Dehnung an. Das tatsächliche Materialverhalten bildet der Befehl allein nicht ab.



