Kurz gesagt
- Die erste Verleihung des UMAR-Architekturpreises fand am 25. September 2026 in der Istanbuler Großstadtvertretung der Architektenkammer statt.
- Am Programm unter dem Motto „Lebendige mediterrane Kultur – Wohnbauten“ nahmen 55 Projekte aus 13 Ländern teil.
- Der erste Preis ging an Orma Architettura aus Frankreich, der zweite an Fernández-Llebrez Arquitectura aus Spanien.
- Bei der Zeremonie wurde die Istanbul-Erklärung unterzeichnet; die Ausstellung mit 21 Projekten ist bis zum 9. Oktober in Karaköy zu sehen.
Der erste internationale Architekturpreis, den der Verband der Mittelmeerarchitekten (Union of Mediterranean Architects – UMAR) künftig alle zwei Jahre vergeben will, wurde am Freitag, dem 25. September 2026, in Istanbul verliehen. Die Zeremonie fand unter der Gastgeberrolle der TMMOB-Architektenkammer in der Istanbuler Großstadtvertretung der Architektenkammer in Karaköy statt. Sie war für Fachleute und alle Interessierten öffentlich zugänglich und wurde live auf dem YouTube-Kanal der Architektenkammer übertragen. Die Veranstaltungssprache war Englisch; bei den Eröffnungsreden wurde eine türkische Übersetzung angeboten.
Das diesjährige Programm stand unter dem Motto „Lebendige mediterrane Kultur – Wohnbauten“. Laut einer Mitteilung der Architektenkammer vom 26. September ging der erste Durchgang des Preisprogramms mit 55 Projekten aus 13 Ländern zu Ende. Die Preisverleihung war als Nachmittagsprogramm von 15.00 bis 19.45 Uhr konzipiert. Wie im Programm vorgesehen, wurde bei der Vergabe des ersten Preises die Begründung der Jury verlesen und dem ausgezeichneten Büro Gelegenheit für eine Dankesrede gegeben.
Im Mittelpunkt des ersten Durchgangs steht unmittelbar das Wohnen. Damit zeigt das Programm, dass es sich stärker auf Räume des Alltags als auf repräsentative Bauten konzentrieren möchte. Wohnbauten gehören an den Mittelmeerküsten zu den Gebäudetypen, an denen sich Klima, Migration und Veränderungsdruck besonders unmittelbar bemerkbar machen. Vor diesem Hintergrund ist es bedeutsam, dass das Preisprogramm sein erstes Thema aus diesem Bereich gewählt hat.
Ziel des Preises: keine einheitliche mediterrane Identität
In der Mitteilung der Architektenkammer wird der UMAR-Architekturpreis als internationales Programm beschrieben, das alle zwei Jahre zeitgenössische Architektur auszeichnet, die im Mittelmeerraum positive soziale, kulturelle und ökologische Wirkung entfaltet. Der Text betont, dass Architektur in der Region von Migration, Klima, Erinnerung, Zusammenleben und Wandel geprägt wird.
Bemerkenswert am Ansatz des Preises ist, dass er keine einheitliche Definition von „mediterraner Architektur“ vorgibt. Stattdessen will das Programm die Vielfalt, Komplexität und den Reichtum der Kulturen und Lebensweisen der Region sichtbar machen und Projekte hervorheben, die zu einem inklusiveren, widerstandsfähigeren und kulturell bewussteren Mittelmeerraum beitragen. Auch die Förderung von Kommunikation und Dialog durch Architektur angesichts wachsender ökologischer, sozialer und geopolitischer Herausforderungen ist ausdrücklich eines der Programmziele.
Preisträger
Laut den von der Architektenkammer bekannt gegebenen Ergebnissen gingen die Preise an folgende Büros:
| Platzierung | Büro | Land |
|---|---|---|
| Erster Preis | Orma Architettura | Frankreich |
| Zweiter Preis | Fernández-Llebrez Arquitectura | Spanien |
| Gleichrangiger dritter Preis | Estudio Veintidos | Spanien |
| Gleichrangiger dritter Preis | Kapt Studio | Marokko |
| 1. Anerkennung | Oam Architecture | Spanien |
| 2. Anerkennung | Atelier Regis Roudil Architectes | Frankreich |
| 3. Anerkennung | Iterare Arquitectos | Spanien |
Die Tabelle zeigt, dass die Preise überwiegend an Büros aus Spanien und Frankreich gingen und ein Büro aus Marokko einen gleichrangigen dritten Preis erhielt. Vier der sieben Platzierungen entfielen auf Spanien, zwei auf Frankreich und eine auf Marokko. Diese Verteilung lässt vermuten, dass im ersten Durchgang Wohnbauprojekte von der Nordküste des Mittelmeers besonders stark vertreten waren. In der Mitteilung wird kein ausgezeichnetes Projekt aus der Türkei genannt. Die Namen und Details der prämierten Projekte sind in der Mitteilung der Architektenkammer bislang nicht aufgeführt; auch die Website des Programms scheint sich derzeit noch im Aufbau zu befinden.
Istanbul-Erklärung und Ausstellung
Bei der Zeremonie unterzeichneten der Verband der Mittelmeerarchitekten und die türkische Architektenkammer die „Istanbul-Erklärung“. Sie zielt darauf ab, die Entwicklung des Berufsstands, die Kommunikation und die Zusammenarbeit im Mittelmeerraum zu stärken. Am selben Tag wurde außerdem die Ausstellung mit 21 Projekten eröffnet, die für eine Präsentation ausgewählt wurden.
Die Ausstellung „Mittelmeer-Architekturpreis 2026 – Lebendige mediterrane Kultur – Wohnbauten“ ist bis zum 9. Oktober 2026 in der Istanbuler Großstadtvertretung der Architektenkammer zu sehen (Kemankeş Karamustafa Paşa Mahallesi, Kemankeş Caddesi Nr. 31, Karaköy).
Warum ist der Preis für Visualisierung und Präsentation relevant?
Das Preisprogramm ist zwar kein Technologie- oder Visualisierungspreis, doch bei einem Programm mit Schwerpunkt Wohnen wird die Art und Weise, wie Projekte vermittelt werden, entscheidend. In Präsentationen von Wohnbauten im Mittelmeerraum stehen meist Elemente wie Klima, Schatten, Innenhöfe, halb offene Bereiche und Alltagsleben im Mittelpunkt. Die Visualisierungen müssen daher nicht nur die Form, sondern auch die Beziehung zum Klima und zu den Nutzerinnen und Nutzern vermitteln.
Die Ausstellung mit 21 Projekten bietet Studierenden und jungen Büros in Istanbul eine zeitlich begrenzte, aber wertvolle Gelegenheit, aktuelle Wohnbauprojekte im Maßstab des Mittelmeerraums sowie deren Darstellung in Präsentationstafeln, Fotos und Visualisierungen aus nächster Nähe zu betrachten. Besonders die Darstellung von Schatten, Schnittperspektiven und die Übertragung von Klimadaten in eine visuelle Sprache können Studierenden, die Wettbewerbspräsentationen erstellen, konkrete Anregungen geben.
Viele solcher Präsentationen basieren heute auf Visualisierungen, die in Echtzeit-Engines oder Rendering-Programmen erstellt werden. Bei Wohnbaupreisen geht es jedoch meist nicht darum, eine spektakuläre Fassade zu zeigen, sondern darum, wie Innenhof, Terrasse und Innenräume im Tagesverlauf genutzt werden. Den Sonnenstand entsprechend dem Standort und der Jahreszeit korrekt einzustellen, die von Sonnenschutzelementen auf den Boden geworfenen Muster zu zeigen und Räume mit Nutzerfiguren im realistischen Maßstab darzustellen, wird deshalb zu weit mehr als einem technischen Detail – es wird zum Kern der Erzählung.
Quellen
3 QuellenQuelltexte werden nicht neu veröffentlicht; kurze Zitate sind gekennzeichnet, der Rest ist eigene Zusammenfassung und Einordnung.
Dass die erste Verleihung des UMAR-Preises in Istanbul stattfand und die Istanbul-Erklärung dort unterzeichnet wurde, zeigt, dass das berufliche Umfeld in der Türkei Diskussionen auf Ebene des Mittelmeerraums ausrichten kann. Dass unter den bekannt gegebenen Preisen und Anerkennungen jedoch kein Büro aus der Türkei vertreten ist, macht deutlich, dass die Beteiligung an regionalen Programmen und die internationale Sichtbarkeit ausgebaut werden sollten.
Das alle zwei Jahre stattfindende Programm ist eine Plattform, die unsere Büros im Blick behalten sollten, wenn sie an der Ägäis- und Mittelmeerküste Wohnbauten entwerfen. Für Architekturstudierende ist der Besuch der bis zum 9. Oktober geöffneten Ausstellung eine gute Gelegenheit, zu vergleichen, wie klimabewusster Wohnungsbau in verschiedenen Ländern interpretiert und präsentiert wird. Die Präsentationstafeln bieten außerdem eine wertvolle Grundlage, um unterschiedliche Darstellungstechniken miteinander zu vergleichen.
Häufige Fragen
Was ist der UMAR-Architekturpreis?
Ein internationales Programm des Verbands der Mittelmeerarchitekten, das alle zwei Jahre zeitgenössische Architektur auszeichnet, die im Mittelmeerraum positive soziale, kulturelle und ökologische Wirkung entfaltet. Der Durchgang 2026 ist der erste des Programms.
Wer hat den Preis 2026 gewonnen?
Laut Mitteilung der Architektenkammer ging der erste Preis an Orma Architettura aus Frankreich und der zweite an Fernández-Llebrez Arquitectura aus Spanien. Die gleichrangigen dritten Preise erhielten Estudio Veintidos (Spanien) und Kapt Studio (Marokko).
Wo findet die Ausstellung statt und wie lange ist sie geöffnet?
Die Ausstellung ist bis zum 9. Oktober 2026 in der Istanbuler Großstadtvertretung der Architektenkammer in Karaköy zu sehen.



